Binge (oder Pinge) im Erzgebirge

Binge im Erzgebirge

Eine Pinge (oder Binge) ist eine keil-, graben- oder trichterförmige Vertiefung, die durch den Bergbau im Erzgebirge entstanden ist. Diese entstehen häufig durch den Einsturz alter Gruben, die in geringer Tiefe betrieben wurden.
Die bergmännischen Bezeichnungen „Pinge“ oder „Binge“ gehen auf die Tätigkeit des „Aufschürfen“ zurück. Ein „aufgepingter“ Gangzug war eine im oberflächennahen Bereich aufgeschürfte Ganglagerstätte. Sie war also ein tagebauartiges, primitives Bergwerk.

Später wurde der Begriff Pinge für Hohlformen im Gelände verwendet, die auf bergmännische Aktivitäten zurückzuführen waren wie Tagebaurestlöcher oder Tagesbrüche auf untertägigen Grubenanlagen. Letztere entstanden entweder als unerwünschte Folge von Einbruchereignissen im aktiven Bergbau (oft mit Unglücken oder Katastrophen verbunden) oder über Altbergbau. Sie wurden zum Teil beim Abbau billigend in Kauf genommen.
Einerseits entstanden sie durch Grabungen an der Oberfläche, anderseits durch den Abbau mit anschließendem Einsturz des Deckgebirges. Durch Grabungen entstandene Pingen stammen meist aus dem 16. und 17. Jahrhundert und sind meistens nur bis zu 1 Meter tief. Tiefere, durch Einsturz entstandene Pingen stammen aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Durch die abgesenkte Oberfläche ist die Pinge oft mit einer ringförmigen Halde umgeben.

Bekannte Pingen im Erzgebirge

Altenberger Binge (auch Altenberger Pinge)
Der Hauptbruch ereignete sich 1620. Noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts hatte die Pinge nur eine Fläche von etwa 2,5 Hektar. Ab etwa 1976 wurde sie durch intensiven Zinnerzabbau im Osterzgebirge wesentlich erweitert. Heute weist sie einen Durchmesser von durchschnittlich 400 m, eine Tiefe von etwa 130 m und eine Fläche von etwa 12 Hektar auf.
Die Pinge und einige zugehörige Bergbauanlagen sind Bestandteil der Kandidatur zum UNESCO-Welterbe „Montanregion Erzgebirge“.

Geyersche Binge
1704 kam es infolge der durch Feuersetzen entstandenen, bis zu 35 m hohen und an der Sohle bis zu 40 m breiten Weitungen unter dem Geyersberg / Erzgebirge zu einem ersten großen Tagesbruch. 1803 folgte ein weiterer Bruch. Er führte zur Einstellung des Tiefbaus. Später nutzte ein Steinbruchbetrieb die Bruchmassen der Binge. 1935 wurde die Binge unter Naturschutz gestellt. Sie ist heute 50–60 m tief und umfasst eine Fläche von etwa 200 × 250 m.

Binge Geyer

Bingen in Seiffen
Nahe der Kirche in Seiffen im Osterzgebirge befinden sich zwei benachbarte bis zu 34 m tiefe Pingen (Bingen) des Zinnbergbaus, genannt die Geyerin und Neuglücker Stockwerkspinge. Sie sind im 16. Jahrhundert durch Feuersetzen entstanden. Auch in Seiffen ging der Bergbau nach dem Pingensturz weiter. Der Abbau wurde im 19. Jahrhundert eingestellt. In der Pinge Geyerin ist seit 1934 eine Freilichtbühne.

Wolfs- und Eis-Pinge Plattenberg
Sie entstanden durch Zinnbergbau am Plattenberg bei Horni Blatná als eine Grabenpinge. In der Eispinge sinkt feuchtkalte Luft auf den Boden, dadurch bleiben Höhleneis und Schnee ganzjährig liegen. Beide Pingen stehen seit 1975 als Naturdenkmäler unter Schutz.

Sie sind Bestandteil der „Montanen Kulturlandschaft Abertamy – Boží Dar – Horní Blatná“ für die Kandidatur zum UNESCO-Welterbe „Montanregion Erzgebirge“.

TourMedia, Siedlerweg 5, 01809 Heidenau

03529 511954


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