Bergbau im Erzgebirge

Bergwerk Poehla

Schon in der Entstehungszeit mit der ersten Besiedlungswelle wurde die Wirtschaft im Erzgebirge durch den beginnenden Bergbau beeinflusst. Die Besiedlung brachte ein Versorgungsproblem von Anfang an mit sich. Da in den höheren Lagen Landwirtschaft nicht sehr effektiv war, mussten durch Handelstätigkeit die Produkte aus dem Gebirge, Holz, Holzkohle, Pech, Honig und andere Waren mit Lebensmittel getauscht werden.

Das wurde nach den Besiedlungswellen durch das „Berggeschrey“ umso akuter. Die notwendigen Nahrungsmittel für die große Zahl der Bergleute konnten nicht im Erzgebirge allein hergestellt werden. In Jahren mit Missernten, Krieg und Epidemien kam es wiederholt zu Hungersnöten. Der wirtschaftliche Boom begann im ausgehenden 12. Jahrhundert mit dem ersten Silberfund 1168 in der Nähe der heutigen Stadt Freiberg.

Fast zeitgleich wurde bei Krupka (Graupen) am Südhang des Osterzgebirges Zinn gefunden. Der Ortsname leitet sich von den Zinngraupen ab. Eine zweite Besiedlungswelle lösten die Erzfunde im Westerzgebirge bei Schneeberg, Marienberg, Annaberg, Johanngeorgenstadt, Oberwiesenthal, Jáchymov, Boží Dar, Hora Sv. Šebestiána, Měděnec und Horní Blatná aus.
Im 16. Jahrhundert wurde das Erzgebirge zum Zentrum des Bergbaus in Mitteleuropa. Die neuen Funde zogen immer mehr Menschen an, und die Zahl der Einwohner auf der sächsischen Seite stieg weiter rasch an. Auch Böhmen konnte neben Zuwanderung aus seinem Landesinneren eine starke Migration, vor allem deutscher Bergleute, feststellen.

Bergbautradition im Erzgebirge
Bergbautradition im Erzgebirge

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts kam der Bergbau langsam zum Erliegen. Das weitere Vordringen in immer größere Tiefen stellte hohe Anforderungen an die Wasserhaltung. Die Revierwasserlaufanstalt Freiberg und der Rothschönberger Stolln zeugen davon. Nach 1871 verfiel der Silberpreis immer mehr. Die Rentabilität des Silberbergbaus im Erzgebirge war nicht mehr gesichert. In den Kriegszeiten des 1. und 2. Weltkrieges wurde noch einmal der Bergbau belebt, besonders durch die Suche nach seltenen Metallen zur Stahlveredelung.

Schon 1789 wurde in der Pechblende aus Johanngeorgenstadt das Element Uran entdeckt. Besonders reiche Vorkommen gab es in St. Joachimsthal. Durch die Forschungen von Marie Curie und der Entdeckung der militärischen Nutzung und den Atombombenabwürfen auf Japan begann eine fieberhafte Suche und Förderung von Uran seitens der Sowjetunion, um den Rückstand bei der Rüstung aufzuholen.
Die SAG Wismut, später SDAG Wismut, entstand. Ein dritter Bergbauboom im Erzgebirge setzte ein, tausende Menschen kamen. Es konnte in der Nachkriegszeit gut verdient werden, aber auch irreparable Gesundheitsschäden durch die Strahlenbelastung entstanden. In Johanngeorgenstadt, Schlema, Aue, Joachimstal und Pöhla wurde bis teilweise 1991 Uran abgebaut.
Zinnerzbergbau gab es noch in Altenberg und Ehrenfriedersdorf ebenfalls bis 1991, dieser wurde wegen der sinkenden Erträge auch eingestellt.
Der Silberbergbau wurde in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts in Freiberg beendet. Es existiert nur noch ein Forschungs- und Ausbildungsbergwerk der Bergakademie Freiberg.

Heute wird bei den steigenden Rohstoffpreise eine Belebung des Bergbaus in Betracht gezogen. Im Mittelpunkt des Interesses steht die Gewinnung von Lithium zur Herstellung von Batterien.

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