Geschichte von Böhmen

Die Anfänge

Nach der Besiedlung des Gebietes der heutigen Tschechischen Republik vor Chr. durch Kelten und germanische Stämme folgten während der Völkerwanderungszeit nach einer Entvölkerung Slawen von Osten her. Der erste Slawenfürst war der gebürtiger Franke Samo um 650. Sein Reich, ein Stammesbund, befand sich in Mähren, der Slowakei und Niederösterreich und später auch Böhmen und der Lausitz. Die Bezeichnungen der Landesteile Böhmen und Mähren wurden im 9. Jh. genannt. Karl der Große versuchte vergeblich 805 das Land zu erobern.
Das Großmährische Reich entwickelte sich ab 830 unter Svatopluk I. Dieser suchte im Frieden von Forchheim 874 einen Ausgleich mit Ludwig dem Deutschen. Um 880 schloss er Böhmen seinem Herrschaftsgebiet an. Im 9. Jh. bestanden Vorstufen des späteren böhmischen Staates. Der erste historisch nachgewiesene Fürst war der Přemyslidenfürst Bořivoj, welcher Svatopluks Stellvertreter war.
Seine Söhne lösten sich aus dem mährischen Einfluss und sie brachten die übrigen böhmischen Fürsten unter ihre Kontrolle. In dieser Zeit begann auch hier die Christianisierung von Regensburg aus. Aber auch Kyrill und Method nahmen Einfluss. Bořivojs Enkel, der Herzog Wenzel von Böhmen, wurde 935 von seinem Bruder Boleslav ermordet und später Schutzheiliger des Landes. 973 erhob Kaiser Otto I. Prag zum Bischofssitz. Zwischen 1003 und 1038 kam es zu kriegerischen Auseinandersetzungen mit wechselnden Erfolg zwischen dem entstehenden polnischen Staatswesen und Böhmen.


Königreich Böhmen

1085 ließ sich Herzog Vratislav II. zum König krönen. Das Königreich wurde durch Ottokar I. Přemysl, der die Krone für erblich erklärte, 1198 endgültig gegründet. Böhmen hatte eine Sonderstellung im Heiligen Römischen Reich. Er gehörte zum Kurfürstenkolleg und war an der deutschen Königs- und Kaiserwahl beteiligt.
Im 13. Jh. begann in den nördlichen, westlichen und südlichen Randgebieten eine intensive Besiedlung durch deutsche Siedler und Bergleute. Auch in vielen Städten im Landesinneren lebten ab dem 12. und 13. Jh. Deutsche und Tschechen zusammen. Unter Ottokar II. ereichte Böhmen mit Österreich, Kärnten, Krain und der Steiermark die größte Ausdehnung. In dem Kampf um die Kaiserkrone unterlag er Rudolf von Habsburg 1278 auf dem Marchfeld. Es folgte eine Zeit des Interregnum bis zur Regierungsübernahme durch Wenzel II. 1306 starb die Přemyslidendynastie aus.

Der Graf Johann von Luxemburg folgte durch Heirat mit einer Tochter von Wenzel II. als König. 1347 folgte ihm sein Sohn Karl, der spätere Kaiser Karl IV. nach. Im Jahr 1344 wurde Prag zum Sitz eines Erzbistums. 1348 gründete Karl IV. die Universität in Prag. Die Stadt wurde zu einem politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Zentrum in Europa. In seiner imperialen Politik kamen die Lausitz, Schlesien, Teile der Oberpfalz und zeitweise Teile von Brandenburg zum Böhmischen Königreich.

Karl IV. betrieb eine ausgleichende Nationalitätenpolitik zwischen den Deutschen und Tschechen. In Prag entstand mit dem Prager Kanzeleideutsch eine der Grundlagen für die moderne deutschen Sprache. Gleichzeitig legte der Reformator Jan Hus Grundlagen für die moderne tschechische Sprache.
Nach der Hinrichtung des Reformators Jan Hus, als Ketzer in Konstanz, auf dem Scheiterhaufen, begannen sich die nationalen, sozialen und konfessionellen Spannungen zu entladen. In vielen böhmischen Städten ergriffen die Hussiten die Macht. Ihre Kriegshandlungen gegen katholische Städte, Klöster und Adelsburgen stürzten das Land in einen Bürgerkrieg. Nach 1425 zogen hussitische Heeresabteilungen, als Gegenreaktion auf die Kreuzzüge, nach der Slowakei, nach Österreich, Sachsen, Brandenburg und die Oberpfalz. Die Hussiten spalteten sich in mehrere Flügel auf. Die radikalen Taboriten erlitten in der Schlacht von Lipan 1434 eine schwere Niederlage.
1436 wurde ein Abkommen zwischen Böhmen und dem Baseler Konzil getroffen, welches gewisse Glaubensfreiheiten gewährte. Die Königsherrschaft ging nach dem Tod des letzten Luxemburger Sigismund an die Habsburger über.

1458 wurde der Reichsverweser Georg von Podiebrad zum König von Böhmen gewählt. 1469 ließ sich der ungarische König Matthias Corvinus vom katholischen Teil der Stände zum böhmischen Gegenkönig wählen. In einem Testament sicherte Podiebrad dem polnischen König die Erbe der böhmischen Krone zu. Die Stände Böhmens wählten den polnischen Jagiellonen Vladislav II. 1471 zum König.

Matthias Corvinus konnte Mähren, Schlesien, Ober- und Niederlausitz behalten. Beide führten den Titel „König von Böhmen“. Mit Corvinus Tod 1490 wurde Vladislav II. alleiniger König von Böhmen. Die Vladislavsche Landesordnung von 1500 sicherte den böhmischen Herren und Rittern weitgehende politische Mitspracherechte und gilt als älteste geschriebene Verfassung Böhmens. 1526 wählten die Stände Ferdinand I. von Habsburg zum böhmischen König.

Wegen den Versuchen, die Protestanten zu unterdrücken, rebellierten die evangelischen Stände mit dem Prager Fenstersturz 1618 gegen Kaiser Matthias. Es folgte die Abwahl des Königs Ferdinand II. Das war der Auslöser für den Dreißigjährigen Krieg. Der Calvinist Friedrich von der Pfalz regierte nur bis 1620. Am Weißen Berg unterlagen am 8. November 1620 die böhmischen Stände den Truppen der katholischen Liga unter dem Graf von Tilly.

Kaiser Ferdinand II. setzte die Rekatholisierung durch. Die 27 Anführern des böhmischen Aufstands wurden hingerichtet und die Mehrheit des protestantischen Adels enteignet, andere konvertierten, um bleiben zu können. Die eingezogenen Güter verkaufte man an zumeist deutschsprachige, katholische Adlige, oft weit unter Preis.
Der Vizekönig Karl von Lichenstein und General Wallenstein sicherten sich die grössten Güter. Wallenstein vergrösserte das Herzogtum Friedland und besaß so bald ein Fünftel Böhmens.
Der Dreißigjährige Krieg verwüstete Böhmen stark. Mit aller Härte wurde die Gegenreformation durchgesetzt und Deutsch Verwaltungssprache. 1627 erhielt Böhmen eine neue absolutistische Landesordnung, welche dem Adel und den Städten fast alle Mitbestimmungsrechte nahm. Durch die Vertreibungen der Protestanten und den Konfiszierungen verarmte das Land.

Das Königreich Böhmen in der Neuzeit

Die Erzherzogin Maria Theresia war von 1740 bis 1780 Königin Ungarns und Böhmens. 1804 mit der Auflösung der Heiligen römischen Reiches gründete sich das Kaiserreich Österreich. Schon nach dem Wiener Kongress regte sich in Böhmen Widerstand gegen die Politik des österreichischen Staatskanzlers Metternich. Die Märzrevolution 1848 in Europa fand auch Widerhall in Prag. Parallel zur Tagung in der Frankfurter Paulskirche tagte ein Slawenkongress in Prag. Hauptforderung des Kongresses war eine gleichberechtigte Rolle der Slawen in der Donaumonarchie. Vom 13. bis 17. Juni 1848 kam es zum Prager Pfingstaufstand. Dieser Aufstand wurde bereits nach drei Tagen niedergeschlagen.

In der zweiten Hälfte des 19. Jh. begannen viele Tschechen wieder in der Öffentlichkeit bewusst tschechisch zu sprechen und 1880 wurde Tschechisch neben Deutsch wieder Amtssprache in Böhmen. Im Zuge der Nationalbewegung nahmen tschechische Institutionen zu, das Wahlrecht musste geändert werden. 1897 hatte sich die generelle zweisprachige Verwaltung durchgesetzt.
Bei der Volkszählung in Böhmen 1910 waren von 6.770.000 Einwohner 63,2 % Tschechen und 36,8 % Deutsche. Böhmen hatte die modernste Industrie unter den österreichischen Kronländern. Die Prager Kulturszene war durch zahlreiche Freundschaften zwischen Deutschen und Tschechen gekennzeichnet. Im Ersten Weltkrieg kippte immer mehr die Stimmung gegen die enge Anlehnung an Deutschland. Massendesertationen an der Ostfront häuften sich und 1916 bildete sich eine tschechoslowakische Exilregierung unter Tomáš Garrigue Masaryk. Mit der Niederlage Österreich-Ungarns gründete sich am 28. Oktober 1918 Die Tschechoslowakische Republik.


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