Aus der Stadtgeschichte von Görlitz

Goerlitz in der Oberlausitz

In einer Urkunde des deutschen Königs Heinrich IV. wird erstmalig 1071 das Dorf Goreliz als Geschenk an den Meißner Bischof erwähnt. Aber schon 1076 verpfändeten dieser es an den böhmischen Herzog. 1089 war es Reichslehen Böhmens, da die Bischöfe es nicht auslösten. Herzog Soběslav I. ließ bis 1131 die Burg Yzcorelik ausbauen. Im 12. Jh. entwickelte sich im Schutz der Burg aus dem Dorf eine Kaufmannssiedlung an der hier verlaufenden Via Regia.

Anfänglich regierte in der Stadt ein Vogt des Böhmenkönigs. Ab 1282 gingen die Gerichtsrechte an den Magistrat der Stadt Görlitz über. Unter den Askanier wurde die Stadt nach Westen erweitert und die Stadtbefestigung errichtet, welche auch das 1234 gegründete Franziskanerkloster umringte. Die erste Münzstätte ist für 1268 bezeugt.
Um 1300 ist ein Rat mit Bürgermeister, zwölf Ratsherren und vier Schöffen belegt. Görlitz bekam 1303 die Obergerichtsbarkeit. Wenig später siedelte sich eine jüdische Gemeinde an.

König Johann gab 1329 der Stadt das Münzregal und 1339 erhielt sie das Stapelrecht für die Färberpflanze Waid. Die Kaufleute aus Görlitz erreichten damit die Monopolstellung für den Waidhandel und dem Textilhandel mit Böhmen und Südpolen. Görlitz war die wichtigste Handelsstadt zwischen Erfurt, Breslau und Krakau.
Mitte des 14. Jh's war ein doppelter Mauerring um die ca. 24 ha große Stadt errichtet worden. Zur weiteren Festigung der Macht durch königliche Privilegien gründete sich 1346 der Oberlausitzer Sechsstädtebund. Dieses entsprach etwa den Rechten der freien Reichsstädte im Deutschen Reich.

Von 1377 bis 1396 war Görlitz Zentrum eines Herzogtums, welches Karl IV. für seinen minderjährigen Sohn Johann gegründet hatte. Während der Hussitenkriege wurden 1429 die Vorstädte niedergebrannt, die Stadt aber nicht belagert. Sie beteiligte sich an zahlreichen Fehden zur Wahrung des Landfriedens.
In die Anfeindungen der Kirche gegen den Böhmenkönig Georg von Podiebrad war die Stadt auch verwickelt und 1466/68 kam es zur Görlitzer Pulververschwörung. Auch am Streit zwischen Podiebrad und Matthias Corvinus um die Krone war die Stadt beteiligt.

Unter der Herrschaft des Ungarnkönigs Matthias Corvinus kam Görlitz im ausgehenden 15. Jh. zu höchster Blüte. Zahlreiche Bürgerhäuser und Kirchen entstanden. Die Stadt hatte damals 10.000 Einwohner. Die Reformation begann 1521 auch hier.
1547 verlor die Stadt durch das Pönfall-Urteil sämtlichen Landbesitz, konnte jedoch in den folgenden Jahren viele Besitzungen und Privilegien wieder zurückgekaufen.

1636 wurde die Oberlausitz mit Görlitz zum Ausgleich für Kriegsschulden des Kaisers an das Kurfürstentum Sachsen übergeben. Im weiteren Verlauf des Dreißigjährigen Krieges besetzen Schweden die Stadt und belagerten sie. Dabei erlitt sie schwere Schäden. Im Siebenjährigen Krieg war vor der Stadt 1757 die Schlacht von Moys (Zgorcelez).

1813 marschierten von Januar an viele Truppen der napoleonischen Armee und der Allierten Armeen durch die Stadt und nahmen Quartier. Die Stadt und die Umgebung wurden ausgeplündert. Epidemien, vor allem Thypus, forderten viele Opfer unter der Bevölkerung.
Für das Bündnis Sachsens mit Napoleon wurde das Land auf dem Wiener Kongress bestraft. Görlitz und der Landkreis wurden in die preußische Provinz Schlesien, den Regierungsbezirk Liegnitz, eingegliedert.

Im Jahr 1833 erhielt die Stadt preußisches Stadtrecht. Unter dem Oberbürgermeister Demiani nahm die Stadt einen großen Aufschwung. Der Eisenbahnanschluss nach Dresden erfolgte 1847, eine Zweigbahn ging nach Berlin und Breslau. Die Direktverbindung nach Berlin wurde 1867 fertiggestellt. Zahlreiche öffentliche Großbauten, Industrieanlagen und Wohnsiedlungen entstanden in dieser Zeit.
Görlitz kam 1919 mit der Neugliederung zur Provinz Niederschlesien.

Auch in Görlitz wurde die jüdische Bevölkerung in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt und in Konzentrationslager verschleppt, am Kriegsende gab es auch in Görlitz ein Lager. Die Görlitzer Synagoge konnte dank der Feuerwehr vor der Vernichtung bewahrt werden. Zum Ende des Krieges 1945 waren 37 Häuser zerstört und über 80 schwer beschädigt. Am 7. Mai erfolgte noch die Sprengung aller sieben Neißebrücken.

Mit dem Potsdamer Abkommen wurde die Oder und Neiße als polnische Ostgrenze festgelegt. Der östliche Stadtteil kam als Zgorzelec unter polnische Verwaltung. Durch die Vertriebenen aus den Ostgebieten wuchs die Bevölkerung auf über 100.000 an. Görlitz gehörte nun zum Land Sachsen, ab 1952 zum Bezirk Dresden. Die völkerrechtliche Anerkennung der Grenze erfolgte mit dem Deutsch-Polnischen Grenzvertrag von 1990.

Die Neubaugebiete Königshufen und Rauschwalde wurden ab 1975 errichtet, aber die Bauten der Innenstadt verfielen immer mehr. Nach 1990 gab es durch den Staat und die Europäische Union Mittel für die Sanierung. Davon profitierte die Altstadt.

Im Freistaat Sachsen wurde Görlitz eine kreisfreie Stadt. Mit der Kreisgebietsreform 2008 schlossen sich der Niederschlesische Oberlausitzkreis, die Stadt Görlitz und der Landkreis Löbau-Zittau zum Landkreis Görlitz zusammen. Nach Görlitz eingemeindet wurden Rauschwalde, Weinhübel, Klingewalde, Groß und Klein Biesnitz, Deutsch-Ossig, Hagenwerder/Tauchritz, Schlauroth, Kunnerwitz mit Klein Neundorf und Ludwigsdorf mit Ober-Neundorf.

Nach der politischen Wende kam es zu flächendeckenden Betriebsschließungen. Es blieben nur der Waggonbau Görlitz GmbH und die Siemens Turbinenbau GmbH als große Betriebe übrig. Mit Schließung des Kraftwerkes Hagenwerder und Tagebau Berzdorf verloren ca. 6.000 Arbeiter ihren Arbeitsplatz.
In den folgenden Jahre wurde der Tagebau saniert und geflutet. Beim Oder-Neiße-Hochwasser 2010 durchbrachen die Fluten den Bahndamm Görlitz-Hagenwerder und ein Teil des Wassers lief in den Berzdorfer See. In den niedriger gelegenen Orts- und Stadtteilen gab es erhebliche Schäden.

zu Görlitz

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03529 511954


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