Litoměřice (Leitmeritz)

Litoměřice (Leitmeritz)

Litoměřice (Leitmeritz) liegt am Südrand vom Böhmischen Mittelgebirge an der Elbe. Das Stadtzentrum steht seit 1978 unter Denkmalschutz. Am linken Elbufer gegenüber der Stadt befindet sich die Mündung der Eger. Das Stadtgebiet verteilt sich auf mehreren Hügeln. Die Fährstelle über der Elbe und das milde Klima förderten die frühe Besiedlung der Gegend. Im frühen Mittelalter war die Landschaft Zentrum der slawischen Lutomericii. Davon leitet sich auch der Stadtname ab.

Sehenswürdigkeiten

  • Marktplatz von 1,8 Hektar
    • mit dem gotisches Rathaus und einer Plastik eines wilden Mannes
    • Kelchhaus (Salzamt) mit Hussitenkelch auf dem Dach
    • Stadtturm, ältestes Bauwerk der Stadt, mit der Stadtkirche Allerheiligen, der Schwarze Adler und das Broggio-Haus.
  • Dombezirk mit dem St. Stephans Dom
  • Jesuitenkirche (Kunstgalerie), Dominikanerkirche, Kapuzinerkirche
  • Schloss Ploskovice (Schloss Ploschkowitz)
  • Aussichtsturm (639 m) auf dem Varhošť (Aarhorst), 5km nördlich von Litomerice - Unwöhnliche Konstruktion mit einer freitragenden Mittelsäule, 1972 errichtet, 14 m hoch.
  • Westlich von Litomerice auf der linken Elbseite liegt die Festungsstadt Terezin (Theresienstadt)


Aus der Geschichte

Im 10. Jh. gehörte der Ort den Přemysliden. Um 1057 erfolgte der Bau der steinernen St.-Stephans-Kirche auf dem Burgberg. Um 1225 wurde die Stadt gegründet und planmäßig um einen Marktplatz auf einem Hügel gegenüber dem Burgberg angelegt. Die Erschließung der Umgebung erfolgte durch Siedler aus dem Rheinland und von der Unterelbe. Die Stadtentwicklung beruht auf dem Getreidehandel und dem durch das Klima begünstigten Obst- und Weinanbau an den Südhängen des Böhmischen Mittelgebirges.
Neben den Kirchen Allerheiligen und St. Laurentius entstanden Klöster der Minoriten, der Dominikaner und der Kreuzherren. Ein verheerender Brand zerstörte 1296 die Stadt. In der Mitte des 14. Jahrhunderts wurde die Stadtbefestigung erweitert und die königliche Burg integriert. 1397 wurde ein neues Rathaus erbaut.

Im Hussitenkrieg stand Leitmeritz anfangs auf Seiten des Königs Sigismund. Nach der Hinrichtung von 17 Hussiten belagerte Jan Žižka die Stadt. In der zweiten Hälfte des 15. Jh.'s stiegen die Einnahmen u.a. durch die Mautstelle an der neuen hölzernen Elbbrücke. Die wichtigen Stapelrechte wurden von Georg von Podiebrad bestätigt. Die ablehnende Haltung der Stadt am Schmalkaldischen Krieg teilzunehmen, büßte sie mit hohen Strafen. Zahlreiche Bauten der zweiten Hälfte des 16. Jh.'s (Schwarzer Adler, Kelchhaus) sowie die Gründung einer Lateinschule zeugen aber weiterhin vom Reichtum und der Kultur der Stadt.

Am Beginn des 17. Jahrhundert war die Mehrheit der Bevölkerung lutherisch. Sie unterstützte den Ständeaufstand 1618–1620. Durch die Niederlage verlor die Stadt zahlreiche Privilegien und Besitz. Viele Bürger gingen ins Exil. Der folgende Dreißigjährige Krieg brachte schlimme Verheerungen. 1640 gab es nur noch 52 Bürger in Leitmeritz und in den städtischen Dörfern waren es nur noch acht Einwohner.
Mit der Rekatholisierung entstand 1655 das Bistum Leitmeritz. 1649 wurde ein Kapuzinerkloster gegründet. Zwischen 1672 und 1685 entstand die Dominikanerkirche St. Michael. Ab 1670 erbaute man den neuen Dom St. Stephan. Es wurde die bischöflichen Residenz und die jesuitische Marienkirche.

Eine Pestepidemie suchte 1680 die Stadt heim. Die Zahlenverhältnisse zwischen deutschen und tschechischen Einwohnern verschob sich immer mehr zugunsten der Deutschen. Im Siebenjährigen Krieg, nach der Schlacht von Lobositz 1756, litt die Stadt unter der militärischen Besetzung.
Ab 1780 brachte die Bauarbeiten für die neue Festung Theresienstadt einen Aufschwung für das Handwerk. In der ersten Hälfte des 19. Jh.'s brachte die sogenannten Elbakte, die eine freie Schifffahrt auf dem Fluss gewährleisteten und der beginnende Dampfschiffverkehr nach Sachsen einen nachhaltigen wirtschaftlichen Aufschwung. Von 1787 bis 1854 verdoppelte sich die Zahl der Einwohner. Litomerice ist eng mit der tschechischen Nationalbewegung verbunden, Karel Hynek Mácha lebte und starb 1836 in Leitmeritz. Das 1822 gebaute Theater ist nach ihm benannt. Die Revolutionen von 1848/49 schürten einerseits die großdeutsche Stimmung der deutsch-böhmischen Einwohner und anderseits gewann die Tschechische Nationalbewegung Einfluss auf das kulturelle Leben. 1860 traf man sich an Máchas Grab, 1848 und 1868 richtete man nationalen Feiern auf dem Berg Říp aus.

Litomerice Musseum

Die Industrieentwicklung berührte die Stadt Leitmeritz wenig, sie blieb Handwerker-, Verwaltungs- und Garnisonsstadt. 1858/59 wurde die eiserne Brücke über die Elbe errichtet und 1874 erfolgte der Bahnanschluss an die Österreichische Nordwestbahn.
Die deutsch-böhmische Bevölkerung der Stadt versuchte 1918 sich als selbstständig zu erklären, was schnell unterbunden wurde. Ab 1919 stellten die deutschen bürgerlichen Parteien den Bürgermeister. Das deutsch-tschechische Verhältnis blieb angespannt. Die Sudetendeutsche Partei erreichte 1938 zwei Drittel der Mandate. Nach dem Münchener Abkommen 1938 wurde Leitmeritz ins Deutsche Reich eingegliedert. Mehr als 5.000 Tschechen verließen die Stadt.

Zwischen März 1944 und Mai 1945 gab es das Außenlager Leitmeritz des Konzentrationslager Flossenbürg. Es entstand eine unterirdische Rüstungsproduktionsanlage im etwa 2,5 Kilometer nordwestlich des Stadtzentrums gelegenen Stollensystem eines aufgelassenen Kalksteinbergwerks. Etwa 4.500 der rund 18.000 KZ-Häftlinge starben.
Den Krieg überstand die Stadt fast unbeschädigt. Die meisten deutsch-böhmischen Einwohner der Stadt wurden von 1945 bis 1947 enteignet und vertrieben.
Während in der sozialistischen Zeit entstanden einerseits moderne Siedlungsblöcke am Stadtrand, anderseits bewahrte man den denkmalgeschützten Stadtkern und renovierte dort auf vorbildliche Art und Weise zahlreiche Gebäude.

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