Liberec (Reichenberg)

Liberec (Reichenberg)

Liberec (Reichenberg) ist mit ca. 102.000 Einwohnern die größte Stadt der Böhmischen Lausitz und Verwaltungssitz der Region Liberec. Sie liegt im Talkessel der Lausitzer Neiße. Diese entspringt im Isergebirge und fließt hier in nordwestlicher Richtung nach Zittau. Der Hausberg der Stadt ist der 1012 m hohe Aussichtsberg Ještěd /Jeschken

Sehenswürdigkeiten

  • Neorenaissance Rathaus von 1891, mit architektonische Analogien zum Wiener Rathaus.
  • Wallensteinhäuser aus dem 17. Jahrhundert
  • Nordböhmische Museum mit Ausstellungen zum Kunsthandwerk, Archäologie, Heimat- und Naturkunde
  • Schloss Liberec,  von 1585–1587 und 1785/1786 umgebaut
  • Zoo Liberec gegründet 1919. Er hat heute eine Fläche von 13 ha.
  • älteste Botanische Garten in Tschechien, heute modern ausgebaut.
  • Science Center iQLANDIA mit 3D-Planetarium und der Ausstellung „Tschechischen Erfindungen, die die Welt eroberten“.
  • F.X. Šalda Theater, früher Reichenberger Stadttheater

Aus der Geschichte

Als ältester Beleg für die Anwesenheit von Menschen auf diesem Gebiet gilt eine Beilklinge aus der jüngeren Steinzeit. Die Gegend um Reichenberg wurde im 13. Jahrhundert von deutschen Siedlern erschlossen, welche die Wälder im Bereich des alten Handelsweges rodeten. Durch die Tallage verlief hier ein Handelsweg aus dem Zentrum Böhmens zur Ostsee. Die älteste belegte Siedlung der Gegend war die Johanniterkommende von Böhmisch Aischa und Friedland, von wo aus die Herrschaft regiert wurde.
Die erste urkundliche Erwähnung war 1352. Ende des 14. Jahrhunderts war das Tal bereits gut besiedelt. Seine ersten bekannten Besitzer der Herrschaft stammten aus der Adelsfamilie von Bieberstein.

In den Hussitenkriegen waren Stützpunkte der Hussiten in der Gegend, von wo aus sie Feldzüge nach der Oberlausitz und Schlesien unternahmen. 1554 erwarb die Familie von Redern die Herrschaft Friedland. Sie förderte die Textilherstellung. So wurde Nordböhmen zu einem Zentrum der Leinenweberei und der Tuchmacherei. Reichenberg wurde 1577 von Kaiser Rudolf II. zur Stadt erhoben. Das Stadtwappen, das zwei Türme, ein Rad und einen einschwänzigen böhmischen Löwen enthält, stammt aus dieser Zeit.

1620 wurde Christoph von Redern enteignet, da er zur protestantischen Opposition gehörte. Die Ländereien wurden dem kaiserlichen Feldherrn Wallenstein zugesprochen. Dieser sorgte für die weitestgehende Schonung seiner Ländereien. Das brachte ihm Mittel für die Aufstellung weiterer Truppen und der Erweiterung seines Grundbesitzes.
Bei der Aufteilung von Wallensteins Besitz nach dessen Ermordung 1634 fiel das Herzogtum Friedland der italienischen Adelsfamilie Gallas zu. Im Krieg wurden Reichenberg und Umgebung von durchziehenden Armeen stark in Mitleidenschaft gezogen. Mit der Rekatholisierung in Böhmen emigrierten besonders viele Adlige nach Sachsen. Es dauerte etwa 70 Jahre, bis sich das verwüstete Land vom Dreißigjährigen Krieg, den Pest- und Choleraepidemien erholt hatte.

Im 18. Jh. entstanden aus vielen Handwerksbetrieben Manufakturen. Aus dem Landesinneren zogen auch Tschechen in die Industriegebiete. Aus dieser Zeit stammt das erste Auftreten des tschechischen Namens der Stadt Liberec.

Im 19. Jh. begünstigten die vielen Flüsse, welche als Energiequelle genutzt wurden, die Entwicklung von Fabriken. Neben Textilfabriken entstanden bald auch solche, in denen Maschinen für die Textilerzeugung hergestellt wurden. 1822 gründete sich die Firma „Gebrüder Liebieg“, die bald zu einem der bedeutendsten Webereien in Europa wuchs. Ende des 19. Jahrhunderts arbeiteten hier ca. 3000 Arbeiter. Die Liebiegs sorgten vorbildliche für soziale Einrichtungen. Die Werke waren eines der größten Unternehmen der Donaumonarchie und bis 1938 die größte Textilfabrik der Tschechoslowakei.

An der Wende zum 20. Jahrhundert war Reichenberg die zweitgrößte Stadt Böhmens. Mit dem Ersten Weltkrieg endete die „Goldenen Zeit“ der Stadt. Im November 1918 gab es in Reichenberg das Bestreben, eine Provinz Deutschböhmen zu gründen. Am 15. Dezember besetzten tschechische Soldaten die Stadt. Die Industrie verlor den größten Teil ihres Marktes.
Bei der Volkszählung 1930 lebten im Bezirk Reichenberg 85.526 Deutsche und 18.958 Tschechen. Nach der Besetzung des Sudetenlandes wurde Reichenberg Hauptstadt des Reichsgaues Sudetenland. Nach der Vertreibung der deutschen Bevölkerung 1945 – 1947 kamen zahlreiche Neubürger aus Mittelböhmen und der Slowakei nach Reichenberg.

Nach 1989 begann eine Neuorientierung der Stadt Liberec. Das historische Zentrum der Stadt wurde renoviert und die alte meterspurige Straßenbahn umgebaut. Die Textilfabrik Textilana fiel dem scharfen Wettbewerb zum Opfer und wurde 2004/2005 fast völlig abgerissen. Ein wichtiger Industriezweig ist nun das LIAZ-Werk Liberecké automobilové závody.

TourMedia, Siedlerweg 5, 01809 Heidenau

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